Weltgrösste Christbaumständersammlung aus Sandstein

Christbaumständersammlung aus Sandstein


 Die Nerven lagen manchmal schon in der ein oder anderen Familie direkt vor Weihnachten blank, weil wieder einmal der Weihnachtsbaum einfach nicht gerade stehen wollte. Und woran lag es ?

 

An den fehlenden handwerklichen Fähigkeiten des Familienvaters, der ja doch zumeist den Weihnnachtsbaum in der guten Stube aufstellen muß oder doch an dem Weihnachtsbaumständer, der nicht versprach, was er hielt oder wenigstens halten sollte. Heute gibt es Weihnachtsbaumständer aus Kunststoff, Holz,Stahl, Keramik, Edelstahl in aller Art Ausführungen: Premium, Comfort S und M, Klick Fix, Indor und Outdor mit und ohne Rundum-Einseiltechnik, mit Kindersicherung, Wasserstandsanzeige und bei einem Top-Modell auch mit Signalglocke im Fußpedal, wenn der  Weihnachtsbaum seine richtige gerade Stellung hat. Premium XXL ist sogar für vier Meter hohe Bäume bis zu 17 cm Durchmesser am unteren Baumstamm. International Galaxy heißt das Modell für Büroflächen und Festsäle. Soweit sogut. Wie man Weihnachtsbäume einfach und sicher in den Generationen vor uns aufstellte und die hundertprozentig nicht umfielen, zeigte eine in  der Region, vielleicht auch deutschlandweit einmalige Ausstellung und Sammlung im Pfälzischen Steinhauermuseum am Marktplatz in Alsenz. Dort sind sogar noch in der Form eines Tannenbaumes über 3o ( ! ) Weihnachtsbaumständer in Sandstein zu sehen und zu besichtigen. Viereckige, runde, mit und ohne Aufsatz, Baumstammformen mit und ohne Äste und weitere Modelle. Verziert zum Teil mit Ornamenten wie Sternen,  Zweigen oder auch Kreuzen wurden sie von den Alsenzer Steinhauern geschaffen. Sind sie noch so unterschiedlich im Außenanblick geschaffen, eines haben die sandsteinernen Weihnachtsbaumsständer aber gemeinsam: Das Loch in der Mitte, wo dann auch der Stamm des Baumes eingelassen und sicher und gerade stand. Christbaumständer aus SandsteinAlsenz, die ehemalige Sandsteinmetropole der Nordpfalz und schon immer mit Steinbrüchen gesegnet, blühte nach dem Bau der Eisenbahnlinie durchs Alsenztal im Jahre 1871 so richtig auf. Es gab einen Bauboom. Eine damals hochwillkommene Möglichkeit Arbeit zu finden. Um den Bahnhof herum zum Ort hin entstanden immer mehr Firmen, die sich um den Sandstein kümmerten.

Bis zu 1.5oo Steinhauer waren in den Brüchen und Unternehmen in Alsenz beschäftigt. Wie der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins der Nordpfalz, Eugen Zepp sowie Günter Müller, langjähriger ehrenamtlicher Betreuer des Pfälzischen Steinhauermuseums informierten, haben die damaligen Alsenzer Steinhauer in der Winterzeit, wo die Arbeit draußen wetterbedingt ruhte, dann die sandsteinernen Weihnachtsbaumständer geschaffen. Laut Eugen Zepp, der als Restaurator am Bayerischen Nationalmuseum arbeitete, gibt es diese auch nur in der Region um Alsenz. Mit 1885 ist der älteste Weihnachtsbaumständer datiert, er wurde von der Familie Weinsheimer aus Hochstätten dem Museum als Leihgabe überlassen. Andere tragen das eingehauene Jahr 19o2. Familie Jung aus Kalkofen hat kurz vor dem Alsenzer Weihnachtsmarkt die Alsenzer Sammlung vergrößert und den im Haus in Kalkofen befindlichen Sandsteinständer zur Ausstellung nach Alsenz gegeben.

Günter Müller freut sich jedes Jahr auch über einen notwendigen Hausbesuch: Zu Elfriede Ludwig in Alsenz bringt er kurz vor Weihnachten ihren sandsteineren Weihnachtsbaumständer zurück, weil dieser dort wieder mal für Weihnachten und den Baum gebraucht wird und erhält dafür traditionell ein Päcken Weihnachtsgebäck obendrauf. Nach Weihnachten erfolgt dann die Abholung, um im Museum die Ausstellung wieder zu komplettieren. Eine jährlich sich wiederholende Zeremonie in Alsenz. Der Historische Verein der Nordpfalz ist dem Alsenzer Hermann Unckrich zu großem Dank verpflichtet. Er entwurf nicht nur den Plan, ein belastbares Gestell in Form einer Tanne für diese besondere Ausstellung zu schaffen, sondern setzte seine eigenen Pläne auch noch tatkräftig selbst um, die Lackierei Göttmann übernahm kostenlos die Lackiererarbeiten, wofür auch gedankt wurde. Eugen Zepp will im kommenden Jahr prüfen lasssen, ob für diese wohl einmalige Ausstellung ein Eintrag im Guinenessbuch der Rekorde möglich ist.